Die folgenden Informationen sind auch in der Broschüre Förderkompass für internationale Jugendbegegnungen (Stand: August 2012) enthalten, der hier zum Download bereitsteht. Der Förderkompass bietet zunächst eine Einführung in die internationale Jugendarbeit und deren Förderung (S. 1 - 3); in einem übersichtlichen Tabellenteil werden dann die einzelnen Förderprogramme und ihre Förderbedingungen vorgestellt (S. 4 - 8).

Download Förderkompass (1,2 MB).


Anlaufstellen für Informationen

Wer zum ersten Mal eine Jugendbegegnung organisieren will, wird sich nur mit Mühe einen Überblick über die verschiedenen Fördermöglichkeiten verschaffen können. Die Darstellung auf diesen Seiten soll eine erste Orientierung ermöglichen. Wenn Sie weitere Fragen zur Förderung, Organisation und Durchführung von internationalen Jugendbegegnungen haben, können Sie sich per Mail oder Telefon an Jugendnetz / Jugendbildung Baden-Württemberg wenden:

Jugendnetz / Jugendbildung International bietet folgende Informationen:

  • Förderprogramme im Überblick
  • monatliches Rundschreiben, in dem auf die neuen Fortbildungen, Seminare und anderen Angebot hingewiesen wird. 
    Die Rundschreiben sind im Archiv hinterlegt sind.
    Bitte schicken Sie uns eine Mail, wenn Sie in den Verteiler für das Rundschreiben aufgenommen werden wollen (keppeler@jugendstiftung.de).


Ausführliche Infos mit vielen praktischen Tipps zur Planung und Durchführung
von Jugendbegegnungen gibt es auch auf folgenden Internetseiten:
www.jugendarbeitsnetz.de, www.ijab.de, www.dija.de.

Informationen durch die Regierungspräsidien 

Kompetente Informationen erhält man selbstverständlich auch bei den Regierungspräsidien (sog. Länderstellen). Jugendorganisationen, die keinen bundeszentralen Dachverband haben, also am sogenannten Länderverfahren (LV) teilnehmen (s. Abschnitt "Wie werden internationale Jugendbegegnungen gefördert?"), reichen ihren Förderantrag später in den meisten Fällen auch bei den Regierungspräsidien ein.


Basisinformationen: Wie werden internationale Jugendbegegnungen gefördert?

Das EU-Förderprogramm JUGEND IN AKTION
Jugendbegegnungen kommen nicht allein durch guten Willen und schon gar nicht zum Nulltarif zustande, sie brauchen ausreichende finanzielle Förderung und kompetente Beratung. Die Europäische Union hat deshalb für den Bereich der außerschulischen Jugendarbeit das Begegnungsprogramm JUGEND IN AKTION (2007 – 2013) mit verschiedenen Programmtypen (Aktion 1 – 5) entwickelt.
In den Aktionen 1 und 3 werden internationale Jugendbegegnungen und Jugendinitiativen gefördert, in der Aktion 4 Fachkräfte und Organisationen, die auf europäischer Ebene in der Jugendarbeit tätig sind. Ausführliche Informationen gibt es auf der Homepage: www.jugend-in-aktion.de.

Das EU-Programm JUGEND IN AKTION präsentiert sich mit seinen verschiedenen Programmtypen und einem ganzen Bündel von Serviceangeboten als moderner Dienstleister im Bereich des internationalen Jugendaustauschs: Neben einer großzügigen Förderung werden Einführungskurse für Neueinsteiger und Fortbildungsmaßnahmen angeboten, Materialien und Know-how zur Verfügung gestellt. Außer den Begegnungsprogrammen organisiert das EU-Programm JUGEND IN AKTION auch den Europäischen Freiwilligendienst (Aktion 2).

Weitere Förderprogramme
Neben dem EU-Programm JUGEND IN AKTION gibt es natürlich auch bundesweite Förderprogramme: Die Jugendwerke – Deutsch-Französisches Jugendwerk (DFJW) und Deutsch-Polnisches Jugendwerk (DPJW), die den Austausch mit Frankreich und Polen organisieren, und den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP). Der KJP fördert weltweit Begegnungen, wobei die Länder Israel, Russland, Tschechische Republik einen Sonderstatus haben: Für den Austausch mit diesen Ländern wurden eigene Koordinationszentren/Büros eingerichtet: Tandem für Tschechien, die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (Stiftung DRJA) für Russland und ConAct für Israel.

Das Land Baden-Württemberg fördert im Rahmen des Landesjugendplans (LJP).

Programme für Fachkräfte
Alle unter Förderprogramme aufgeführten Organisationen und Einrichtungen fördern auch Begegnungen für Fachkräfte der Jugendarbeit, auf die hier nicht eingegangen wird. Bitte bei den Förderstellen anfragen.

Was ist eine internationale Jugendbegegnung?

Klassische internationale Jugendbegegnungen zeichnen sich dadurch aus, dass Jugendliche aus zwei (binational/bilateral), drei (trinational/trilateral) oder mehreren (multinational/multilateral) Ländern teilnehmen.

Für alle Begegnungen gilt das Prinzip der Gegenseitigkeit und Ausgewogenheit, d.h. es sollte immer eine Hin- und Rückbegegnung geben (bei Begegnungen mit drei oder noch mehr Partnergruppen reicht in der Regel auch ein Termin). Aus allen Partnerländern sollten möglichst gleich viele Jugendliche beteiligt sein. Auch die Prinzipien des Gender Mainstreaming sollten Beachtung finden. Bevorzugt gefördert werden Begegnungen, die Jugendliche mit Migrationshintergrund, behinderte oder benachteiligte Jugendliche mit einbeziehen.

Wichtigstes Kriterium für die Förderung ist der Begegnungscharakter: Die Teilnehmenden müssen Gelegenheit erhalten, aufeinander zuzugehen, sich gegenseitig kennen zu lernen und gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln. Die Jugendlichen sind maßgeblich an der Organisation der Begegnung und an der Erarbeitung eines Programms zu beteiligen. In der Regel umfasst dieses Programm gemeinsame Aktivitäten in den Bereichen Spiel und Sport, Medien, Theater, Werken, Tanz, Politik, Umweltschutz und gibt Anlass zu Diskussionen, z.B. auch in Workshops und Seminaren. Gemeinsame Unternehmungen stehen im Mittelpunkt und sollen zum gegenseitigen Kennlernen beitragen.

In der Regel können folgende Veranstaltungen nicht gefördert werden:

  • Schüleraustausch
  • internationale Musik und Theaterfestivals (ohne Begegnungscharakter)
  • internationale Sportwettkämpfe (ohne Begegnungscharakter)
  • Programme mit überwiegend touristischem Charakter (z.B. Rundreisen und Studienreisen ohne Partnergruppe(n))

Einige wichtige Austauschorganisationen wie Tandem, Stiftung Deutsch- Russischer Jugendaustausch, DPJW oder DFJW bieten jedoch - neben den klassischen Begegnungsprogrammen - für die oben ausgeschlossenen und weitere Bereiche spezielle Förderprogramme an: Schulaustausch, Sprachenlernen u.a.

 

Wer kann eine Begegnung durchführen und einen Förderantrag stellen?

Projekte von anerkannten Trägern der außerschulischen Jugendbildung können gefördert werden. (Ausnahmen sind auf Anfrage möglich.) Die verantwortlichen LeiterInnen und Leiter der Begegnung sollen Erfahrungen in der internationalen Jugendendarbeit haben.

 

Wo und wie wird der Antrag eingereicht?

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Zentralstellenverfahren (ZV) und Länderverfahren (LV). Die Anträge werden nämlich in der Regel nicht direkt bei den Förderstellen (Bewilligungsstellen, Zuwendungsgeber) eingereicht, sondern gehen an die Bundeszentralen der Dachverbände (ZV) oder an die Regierungspräsidien (LV). Dort werden sie geprüft (ob sie in der Sache förderfähig sind und den Förderrichtlinien entsprechen) und dann an die Förderstellen weitergeleitet. Die Kontaktpersonen der Dachverbände und der Regierungspräsidien  sind deswegen wichtige Ansprechpartner bei der Antragstellung.

Zentralstellenverfahren (ZV)
Jugendverbände und Jugendorganisationen, die einem Bundesverband (Dachverband) angehören, stellen Anträge grundsätzlich über ihre Bundeszentrale (z.B. Sportvereine, Musikvereine, Musikschulen, BDKJ, Pfadfinder u.a.).

Länderverfahren (LV)

Jugendorganisationen, die keinem bundeszentralen Träger angeschlossen sind und ausschließlich örtlich oder regional aktiv sind (Stadtjugendringe (SJR), Kreisjugendring (KJR), Jugendhäuser u.a.), reichen Anträge für die Förderprogramme von DFJW, DPJW, Tandem, Stiftung DRJA, ConAct und LJP über die sogenannten Länderstellen (= Regierungspräsidien ) ein.  Mitglieder des LJR können Anträge für das DPJW und zum LJP auch beim LJR einreichen und dort vorprüfen lassen.

Die Unterscheidung nach ZV und LV ist nur bei Förderung durch DFJW, DPJW, Tandem, Stiftung DRJA, ConAct und LJP wichtig. Bei allen anderen Förderquellen (Stiftungen, Firmen u.a.) kann direkt angefragt werden.

 

Fristen – wann wird der Antrag eingereicht?

Die Antragstellung erfordert langfristige Planung – im Allgemeinen mehr als ein Jahr im Voraus, denn die Anträge müssen oft im Vorjahr der Begegnung abgegeben oder vorangemeldet werden. Die Förderstellen, die im Rahmen von KJP und LJP fördern, haben zwar eigene Fristen für die Abgabe der Förderanträge, jedoch sind die Anträge über ZV und LV einzureichen. Für die Einreichung der Anträge sind daher die Fristen der Dachverbände/Bundesverbände (ZV) und Regierungspräsidien (LV) entscheidend (nicht die Fristen der Förderstellen). In der Tabelle werden nur die Fristen der Regierungspräsidien angegeben, die Fristen der Dachverbände müssen erfragt werden!

Ausnahme ist das EU-Programm JUGEND IN AKTION: Es gibt zwar ZV, aber kein LV, d.h., Organisationen ohne Dachverband reichen ihre Anträge direkt bei JUGEND IN AKTION ein, Jugendbildung International erhält eine Kopie.


Wie wird gefördert?

Fördermittel werden immer nur als Zuschüsse/Teilfinanzierung gewährt. Keine Förderstelle ermöglicht die Vollfinanzierung einer Begegnung. (Es gibt Ausnahmen, die gut begründet sein müssen; anfragen!). Neben einem Eigenanteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer können die Finanzierungslücken auch durch Gelder von Stiftungen oder durch Sponsoren (z.B. Firmen) gedeckt werden.

Ein hervorragenden Überblick über diese Fördermöglichkeiten (v.a. Stiftungen) bietet das Jugendnetz in seiner Finanzierungsdatenbank unter dem Stichwort Interkulturelle Verständigung.

 

Der Förderbetrag setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen:

  • Reisekosten: Förderung als prozentualer Anteil an den Reisekosten oder entsprechend den Fahrkostentabellen der Förderstellen
  • Aufenthaltskosten (Unterbringung und Verpflegung, Kosten für Aktivitäten): Förderung durch Pauschale/Festbeträge pro Teilnehmer/in und Tag
  • Vor- und Nachbereitung (Koordinationskosten, Dolmetscher/Übersetzer = Sprachmittlung u.a.)
    • Förderung durch Pauschale pro Begegnung (z.B. JUGEND IN AKTION oder:
    • Förderung durch Pauschale pro Teilnehmer/in
  • Besondere Aufwendungen: für Technik, Spezialisten, hohen Betreuungsaufwand etc. können oft weitere Mittel beantragt werden. Bei Bedarf nachfragen!

 

Aufteilung der Fördergelder an die Partner der Begegnung bei Förderung durch KJP und LJP:

  • Der entsendende (reisende) Partner trägt die Reisekosten – und nur er erhält dafür die Förderung.
  • Der empfangende (aufnehmende/gastgebende) Partner trägt alle Kosten für den Aufenthalt der Teilnehmenden und für die Durchführung des Programms – und nur er erhält dafür die Förderung.
  • Zuschüsse zur Vor- und Nachbereitung (Koordinationskosten, Dolmetscher/Übersetzer u.a.) der Begegnung gibt es meist für alle Partner (oft höhere Beträge für die empfangende Gruppe).

Es gibt natürlich Abweichungen von diesen Grundprinzipien der Förderung – siehe Hinweise bei den Förderorganisationen.

Bei Förderung durch DPJW, Tandem, Stiftung DRJA, ConAct und LJP muss jeder teilnehmende Partner für seinen Kostenanteil einen eigenen Förderantrag stellen: der entsendende Partner für Reisekosten/Vor- und Nachbereitung, der empfangenden Partner für Aufenthaltskosten/Vor- und Nachbereitung (bei multilateralen Begegnungen nachfragen!).
Deutsche Gruppen stellen ihre Anträge bei ihrer Förderstelle in Deutschland, die ausländischen Partner bei einer Stelle in ihrem eigenen Land – sie können in Deutschland keine Anträge stellen (auch wenn beide Partner von derselben Einrichtung gefördert werden, z.B. von Tandem, ConAct, Stiftung Deutsch- Russischer Jugendaustausch).

Andere Förderstellen fördern anders, z.B. wird bei JUGEND IN AKTION und DFJW ein gemeinsamer Antrag abgegeben.
Auf weitere Abweichungen von diesem Grundprinzip der Antragstellung und Förderung wird in der Tabelle hingewiesen.